Collateral Murder
14. April 2010


Jeder normale Mensch käme niemals auf den Gedanken mit einem Apache-Kampfhubschrauber auf unbewaffnete und Hilfe leistende Zivilisten zu schießen. Die Amerikaner schon!

Für gewöhnlich wird individuelles oder kollektives Rauben sowie absichtliches Töten von zivilisierten Menschen als ein Verbrechen angesehen und in einem Rechtsstaat wie Deutschland selbstverständlich unter Strafe gestellt. Anders verhält es sich hingegen im Kriegfall. Kriege werden wiederum nicht als gewöhnliche kriminelle Handlungen, sondern als bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen mindestens zwei Kollektiven gesehen. Das Ziel eines jeden Krieges ist es, den Konflikt durch gewaltsame Kämpfe und das Erreichen einer demonstrativen Überlegenheit für sich zu entscheiden. Die hierzu stattfindenden Gewalthandlungen greifen gezielt die körperliche Unversehrtheit des Gegners an und nehmen dessen Tod billigend in Kauf.

Seitdem die Kriegshandlungen nicht mehr auf den dafür ausgewiesenen Schlachtfeldern stattfinden, sondern mit aller Brutalität in die Zivilbevölkerung hineingetragen werden, kommt es immer öfter zu so genannten Kollateralschäden. Hierunter subsumiert das Militär all diejenigen zivilen Schäden, die durch einen ungenauen beziehungsweise überdimensionierten Waffeneinsatz entstehen. Laut Genfer Konventionen ist dennoch stets darauf zu achten, dass die Zivilbevölkerung, Zivilpersonen und zivile Objekte vor Begleitschäden verschont bleiben. All diejenigen Angriffe sind als völkerrechtswidrig anzusehen, bei denen ein Kollateralschaden vorhersehbar war und wer darüber hinaus einen Angriff plant oder beschließt,

hat von jedem Angriff Abstand zu nehmen, bei dem damit zu rechnen ist, dass er auch Verluste unter der Zivilbevölkerung, die Verwundung von Zivilpersonen, die Beschädigung ziviler Objekte oder mehrere derartige Folgen zusammen verursacht, die in keinem Verhältnis zum erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteil stehen [Art.57 des Zusatzprotokolls I]

Die Gefangenenlager in Guantanamo, die Folterhölle von Abu Ghraib, die überall auf der Welt verteilten CIA-Gefängisse und das kürzlich in die Öffentlichkeit gelangte Militärvideo bezeugen ganz klar, dass sich die Amerikaner „einen Dreck“ um die Menschenrechte geschweige denn um die Genfer Konventionen scheren. Im Kampf gegen den Terrorismus scheint dem Besatzer aus dem Westen jegliches Unterscheidungsgefühl zwischen gut, neutral und böse abhanden gekommen zu sein. Wie sonst rechtfertigt man einen Angriff mit einem Apache-Kampfhubschrauber auf unbewaffnete und lediglich Hilfe leistende Zivilisten.

Bei diesem Angriff kamen neben einem Dutzend Iraker auch zwei Reuters-Journalisten ums Leben, weshalb dieses Video wahrscheinlich überhaupt erst den Weg in die Öffentlichkeit fand. Solche Szenarien sind nicht der Einzelfall, sondern erschreckender irakischer Alltag, wie die mehr als eine Million Opfer unter der Zivilbevölkerung bezeugen. Hingegen verzeichnen die Koalitionsstreitkräfte noch nicht einmal 5.000 gefallene Soldaten. In diesem Zusammenhang sei die abschließende Frage erlaubt, ab wann wird ein Krieg eigentlich zum Massenmord?

[Collateral Murder - Wikileaks - Iraq]

Kommentare
von admin
Gepostet 22. April 2010 at 17:39

Nachtrag:

In einem offenen Brief an die irakische Bevölkerung, haben sich zwei US-Soldaten für das auf dem Video zu sehende Massaker entschuldigt. Ihrer Aussage nach, zeige das Video lediglich den Anfang des Leidens an den unschuldigen Irakern, als Konsequenz der amerikanischen Besatzung. Die beiden Soldaten waren Mitglieder der selben Kompanie, welche die Gräueltat durchgeführt hat.

Ob nun propagandistische Beschwichtigung des US-Militärs oder ernstgemeintes Reuegeständnis, hier gehts zum Brief: http://org2.democracyinaction.org/o/5966/p/dia/action/public/?action_KEY=2724

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