Was würden Sie machen, wenn für Ihr Grundeinkommen gesorgt wäre? Würden Sie eher auf der faulen Haut liegen oder endlich derjenigen Arbeit nachgehen, die Ihnen gefällt?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen zu erhalten, bedeutet, dass jeder Bürger vom Staat die gleiche finanzielle Zuwendung erhält. Das Gute daran ist, dass keine Gegenleistung hierfür erbracht werden muss. Im Vergleich zum so genannten Bürgergeld umfasst die Höhe des bedingungslosen Grundeinkommens einen Betrag, der absolut existensichernd ist und keine zusätzlichen Sozialleistungen erfordert. Je nach Modell wird eine Zahlung in Höhe der Sozialhilfesatzes oder des Arbeitslosengeldes II bis hin zu einer monatlichen Zahlung von 1500 Euro vorgeschlagen.

In Deutschland gibt es hierzu schon einige beachtenswerte Modelle. Zu nennen wären beispielsweise das Solidarische Bürgergeld, das Ulmer Modell oder das Modell der Initiative Unternimm die Zukunft. Des Weiteren gibt es den Ansatz der Negativen Einkommensteuer, der jedoch nur für Geringverdiener und Nichtverdiener gedacht ist. Ein sehr interessantes und viel versprechendes Modell kommt wiederum aus der Schweiz. Entwickelt wurde dieses Modell von der Initiative Grundeinkommen, unter deren Federführung auch der unten aufgeführte Film entstand.

Zur Finanzierung des Grundeinkommens ist in der Regel eine starke Vereinfachung und Neuordnung des Steuersystems vorgesehen. Somit würde der bürokratische Aufwand in der Sozialverwaltung abgebaut, da bisherige Tranferleistungen durch das bedingungslose Grundeinkommen ersetzt werden könnten. Ebenso würden das Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Rente, Kindergeld und ähnliche Sozialleistungen sukzessive ersetzt und letztendlich wegfallen. Schlussendlich würden die nutzlos gewordenen Verwaltungskosten einen Großteil des Grundeinkommens bereits finanzieren.

Prominente Unterstützung erhielt diese Idee in der Geschichte zu genüge: In Thomas Morus’ Roman Utopia sollten beispielsweise durch das garantierte Grundeinkommen Neid und Diebstahl in der Gesellschaft verhindert werden. Über mehrere Ecken muss diese Idee dann auch dem französische Staatstheoretiker Montesquieu zu Ohren gekommen sein, auch dieser forderte nämlich, dass der Staat all seinen Bürgern einen sicheren Unterhalt, Nahrung, geeignete Kleidung und einen gesundheitsfördernden Lebensstil zur Verfügung stellen sollte. Ähnliches Gedankengut findet sich schließlich bei englischen, deutschen und italienischen Denkern, Philosophen und Ökonomen.

Letztendlich fußen all diese Gedanken bezüglich eines bedingungslosen Grundeinkommens auf folgender Feststellung, die in neuester Zeit vor allem durch den französischen Sozialphilosophen André Gorz kommuniziert wird: Seit Jahrhunderten werden immer mehr Arbeiten von den Maschinen abgenommen. Dadurch wird zum einen die Produktivität gesteigert und zum anderen werden immer weniger menschliche Arbeitskräfte benötigt. Die von der Politik geforderte Vollbeschäftigung wird damit zu einer Illusion, die nur noch der Propaganda im Wahlkampf dienlich ist. Deshalb ertönt der Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen zunehmend von allen Seiten. So dass jeder Bürger eine monetäre Grundlage erhält, durch die er sich selbst verwirklichen könnte. Dadurch würde jeder Job zu einem Beruf, zu dem man sich auch wirklich berufen fühlt.

Gegner des Grundeinkommens befürchten, dass durch ein gesetzlich garantiertes Grundgehalt der materielle Anreiz zur Aufnahme einer Arbeit sinken könnte. Dies hätte zur Folge, dass sich die Bürger häufiger als bisher zur Untätigkeit verleiten lassen, was schließlich zu einem gesellschaftlichen Chaos und völligem Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems führen würde. Dem halten die Befürworter entgegen, dass die Gesellschaft durch das momentan vorherrschende System sowieso zu kollabieren drohe, infolgedessen ein gesellschaftliches Chaos unmittelbar bevor stünde, so dass die Menschheit dringend eine adäquate Alternative zum bisherigen Wirtschaftstreiben bräuchte. Darüber hinaus haben Pilotprojekte in Amerika gezeigt, dass bei Empfängern eines bedingungslosen Grundgehalts der Antrieb zur Arbeitssuche nicht nennenswert zurück ging.

Unvorstellbar meinen Sie, dann lassen Sie sich von Daniel Häni und Enno Schmidt überraschen.

[Grundeinkommen - Ein Film-Essay]

Kommentare
Schreibe einen Kommentar