Die Regierungen hängen den platzenden Finanzblasen milliardenschwere Rettungsschirme um. Dies verzögert den Absturz lediglich, aufhalten kann es ihn nicht. Doch gibt es eine Alternative?

Trotz Herabsetzung des Leitzinses auf lediglich einen Prozentsatz und der Bereitstellung einer 400 Milliarden-Euro-Bürgschaft seitens der Bundesregierung, will der Wirtschaftsmotor einfach nicht richtig in Schwung geraten. Unglücklicherweise kommt das zur Verfügung gestellte Geld beim Volk nicht an. Wo liegen die Gründe für die zurückhaltende Kreditvergabe der Geschäftsbanken? Möglicherweise handeln die Banken gemäß ihrer Natur und akkumulieren soviel Kapital, wie nur irgend möglich.

Das Paket der Bundesregierung dient dem Schutz der Bürger und nicht dem Schutz von Bankinteressen. [Merkel, 2008]

Aller Naivität zum Trotz lautet die Devise der meisten Banken seit jeher Rendite, Rendite und nochmals Rendite. Dass es hingegen auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel der Raiffeisenbanken. Die Ansätze jener Genossenschaftsbank gehen auf die Grundsätze der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung zurück. Gegründet wurde die Raiffeisenbank von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888). Raiffeisen war ein Sozialreformer und Kommunalbeamter, der die genossenschaftliche Bewegung seinerzeit mitbegründete.

Mittlerweile gibt es weltweit über 330.000 Genossenschaftsbanken. Allein in Deutschland gab es Ende 2007 1.232 Genossenschaftsbanken mit ca. 30 Millionen Kunden, 16,1 Millionen Mitgliedern und über 13.600 Zweigstellen.

Eine jener Genossenschaftsbanken ist die Raiffeisenbank aus Gammesfeld. Sie liegt im Landkreis Schwäbisch-Hall und gilt als die kleinste Bank Deutschlands. Sie zählt lediglich einen Bankschalter und auch nur einen Angestellten. Bis 2008 war dieser einzige Bankangestellte Fritz Vogt. Er leitet die Filiale von 1953-2008 und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters. Bereits der Großvater gehörte zu den Gründungsmitgliedern im Jahre 1890. Das Geheimnis dieser Dorfbank ist genauso simple, wie erfolgreich: “Was in einer Bank abgeht, ist dermaßen einfach: Einer hat Geld, der bringt es zur Bank. Der andere braucht welches und holt es sich ab.” Und dies zu möglichst geringen Kosten für alle Beteiligten.

Die großen Finanzkonzerne auf der Welt und in Amerika, jetzt platzen sie. Gott sei Dank. Endlich kommt der Schwindel an den Tag. [Fritz Vogt, 2008]

Glauben wir doch nicht, dass die Probleme, die dieser Planet hat, nichts mit dem Geld zu tun haben; nämlich mit der Gier des Geldes. Mit der unverschämten Gier, sich grenzenlos zu vermehren. [Fritz Vogt, 2008]

Für die einen ein unrentables Verlustgeschäft, für die anderen einfach nur humanes Wirtschaften. Und für den bekennenden Antikapitalisten unter Deutschlands Bankdirektoren, Fritz Vogt, ist es der einzig gangbare Weg. Schon oftmals musste sich der kleine David aus Gammesfeld gegen den großen Goliath aus Frankfurt und Berlin zur Wehr setzen. Bislang immer mit Erfolg und frei nach dem Motto von Albert Uderzo und René Goscinny:

Wir befinden uns im Jahr 2009 n. Chr. Ganz Deutschland ist von der Hochfinanz besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Deutschen bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Die fröhlichen und rauflustigen Schwaben fürchten sich eigentlich nur vor einem – daß ihnen einer “es Kässle” (die Bank) zumacht.

[Fritz Vogt bei Maischberger, 14.10.2008]

Kommentare
von Rico
Gepostet 11. Januar 2010 at 18:31

Sehr tolle Aussagen von Herr Fritz Vogt, welchen ich nur vollkommen zustimmen kann. Jedoch können die ganzen anderen Rattenfänger, die dort sitzen nichts mit anfangen und lachen noch darüber das jedes 4. Säugetier vom Aussterben bedroht ist. Lasst uns hoffen, dass diese Rattenfänger die ersten sein werden :-)

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