Die WHO bestreitet die Gefährlichkeit von Uranmunition. Doch die erschreckenden Bilder von entstellten Kindern und missgebildeten Babys zeichnen ein anderes Bild.

Unter dem Deckmantel der Uranmunition verbirgt sich eine panzerbrechende Munition, deren Projektile abgereichertes Uran enthalten. Aufgrund der hohen Dichte des Urans entfalten diese Geschosse beim Auftreffen auf das Ziel eine große Durchschlagskraft. Uranmunition besteht entweder zu einem großen Teil aus Uran in Legierung mit anderen Metallen wie Titan oder Molybdän oder nur teilweise in Form eines länglichen Kerns inmitten eines Geschosses aus anderen Materialien. Einer der Haupteffekte von Uranmunition ist, dass sich beim Aufprall auf ein gepanzertes Ziel heißer Uranstaub bildet, der sich bei Luftkontakt im Inneren spontan entzündet. Dadurch kann die mitgeführte Munition oder der Treibstoff entzündet werden, was zu der sogenannten Sekundärexplosion des Zieles führen kann. Dieser Doppeleffekt macht die Waffe so interessant für das Militär.

Die ersten Versuche hiermit führten bereits die Deutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs durch. Aufgrund des zunehmenden Mangels an Wolfram, war die Wehrmacht auf der Suche nach effizienten Alternativen. Im März 1944 wurden die Forscher schließlich fündig und die Stunde der Urankern-Munition war geboren. Mittlerweile hat sich diese Entdeckung der Nazis anscheinend zu einem Erfolgsschlager ausgeweitet. Uranmunition wird aktuell von circa 21 Armeen der Welt verwendet. In jüngster Zeit wurden mehrere hundert Tonnen Uranmunition überwiegend im indisch-pakistanischen Grenzkonflikt, im Tschetschenien-Krieg, während der sowjetischen Invasion Afghanistans, im Bosnien-Krieg, im Kosovo-Krieg, in den Golfkriegen und im Krieg in Afghanistan verwendet.

Neben dem militärisch erwünschten zerstörenden Effekt entfaltet Uran sowohl wegen seiner Radioaktivität als auch wegen seiner chemischen Giftigkeit eine schädliche Wirkung auf den menschlichen Organismus. Wie jedes andere Schwermetall tritt auch Uran in Wechselwirkung mit dem Menschen und schädigt als Gift sowohl den Stoffwechsel der inneren Organe als auch die Nieren selbst. Abgereichertes Uran ist generell nur sehr schwach radioaktiv, dennoch kann auch eine geringe Dosis, wenn sie über einen längeren Zeitraum wirkt, das Erbgut nachhaltig schädigen und Krebs auslösen. Krankheitsverläufe von betroffenen weiblichen und männlichen Soldaten, sowie von Kindern, die mit abgereicherter Uranmunition gespielt haben, bekräftigen diesen Verdacht. In den betroffenen Regionen um Basra leiden zehnmal mehr Menschen an Krebs und es kommen zwanzigmal mehr Babys mit Mißbildungen zur Welt als vor dem Krieg 1991.

Vor dem Krieg fragten die irakischen Frauen nach der Geburt, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Jetzt fragen sie nur, ist es gesund oder missgebildet. [Dr. Janan Hassan, Kinderklinik Basra]

Hingegen beharren die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) auf ihrer Aussage, dass von den durch Urangeschosse verunreinigten Gebieten keine sonderliche Gefahr ausgehe. Im WHO guidance on exposure to depleted uranium heißt es hierzu explizit, dass keine Studie eine Verbindung zwischen Kontakt mit abgereichertem Uran und dem Auftreten von Krebs oder angeborenen Defekten finden könne. So verwundert es umso mehr, dass die WHO trotzalledem eine Empfehlung im Umgang mit abgereichertem Uran ausspricht: Die tägliche Aufnahme von löslichen Uranverbindungen soll auf 0,5μg/kg Körpergewicht, von unlösliche Verbindungen auf 5μg/kg und für die Atemluft auf maximal 1μg/m3 reduziert werden. Abgesehen davon, dass die Bewohner jener Kriegsschauplätze mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch niemals etwas von dieser Empfehlung gehört haben und von den Verursachern auch nicht über die Gefahren aufgeklärt werden, bemängeln Kritiker die Methodik der WHO und unterstellen eine gewisse Befangenheit. Sie fordern die Durchführung neuer Auswertungen und Bewertungen. Gerade die aktuellen Ergebnisse der WHO werden von einigen Instituten in Frage gestellt.

[Todesstaub Uran - Interview mit Frieder Wagner]

Zu einem der größten und populärsten Gegner gehört der deutsche Schauspieler und mehrfache Grimmepreisträger Frieder Wagner. 2003 drehte Wagner die Dokumentation Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra, die in der WDR-Reihe Die Story ausgestrahlt wurde. Der Film begleitet den deutschen Tropenarzt und Epidemiologe Dr. Siegwart-Horst Günther und seine amerikanischen Kollegen bei ihren Untersuchungen im Kosovo, in Bosnien und im Irak. Überall dort hatten amerikanische Truppen die gefährliche Uran-Munition eingesetzt. Der Film zeigt bislang wenig bekannte Langzeitfolgen unter denen besonders die Kinder in den Kriegsgebieten zu leiden haben. Nach Ende des jüngsten Irak-Krieges entdeckten die Experten in der Umgebung von Basra kontaminierte Kriegsschauplätze, deren radioaktive Verseuchung die natürliche Erdstrahlung um das 20.000-fache übertrifft. Für dieses ehrenwerte Engagement erhielt er den Europäischen Fernsehpreis bei der ÖKOMEDIA 2004.

[Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra}

Aufbauend auf diesem Material stellte Wagner 2007 den 93-minütigen Kinodokumentarfilm Deadly Dust – Todesstaub fertig, der später in Teilen auch in dem Film Kriegsversprechen mit eingeflossen ist. Trotz aller öffentlichen Begeisterung und Auszeichnung hat Wagner seit seiner ersten kritischen Dokumentation kaum noch Aufträge vermittelt bekommen, einen Verleger für Deadly Dust - Todesstaub sucht er immer noch. Der Film kann aber hier bezogen werden.

[Nuo Viso im Gespräch mit Frieder Wagner]

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