Orchideen
Erwachsenenmärchen erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit. Vor allem Firmen überschlagen sich mit ihren Geschichten über grüne Riesen, umweltschützende Autos und naturbewusste Logos. Selbst unsere Kinderlieder scheinen nicht mehr sicher zu sein.


Grün, grün, grün sind alle meine Kleider,
Grün, grün, grün ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles was so grün ist,
Weil mein Schatz ein Jäger, Jäger ist.

Jedes Kind kennt dieses Lied, doch wie sieht es mit der Bedeutung aus? Intuitiv wird hier zuerst an einen freundlichen Mann mittleren Alters gedacht, der mit seinem Jagdhund die Wälder durchstreift und alte sowie verletzte Tiere vom ihrem Leid erlöst. Die Entwicklungen der jüngsten Zeit lassen diese Liedstrophe jedoch in einem ganz anderen Licht erscheinen. Was wäre, wenn sich hinter dem Grün keine Jägeruniform, sondern die Werbemasche eines Textilherstellers verbürgt und der Jäger in Wirklichkeit nicht den Tieren, sondern dem Geld nachjagt. Dann würde die Suche nach dem kranken Wild von einem Ausschau halten nach quicklebendigen Kunden abgelöst und ein unschuldiges Kinderlied durch eine moralisch zweifelhafte Manipulation des Menschen auf unterster Ebene ersetzt werden.

Diese Art zu denken ist vielleicht ein wenig ungewöhnlich aber auf keinen Fall abnormal und allem Anschein nach gehört sie derzeit zum guten Umgangston auf der Geschäfts- und Staatsebene dazu. Es gibt hierfür sogar einen eigenen Begriff; Greenwashing nennt sich das Ganze. Beim Greenwashing handelt es sich um eine Methode, die darauf abzielt Unternehmen, Verbänden oder auch Regierungen ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verpassen. Hierbei werden die Techniken der Öffentlichkeitsarbeit, der Rhetorik und der Manipulation gekonnt eingesetzt, um die Wahrnehmung der Menschen gezielt zu beeinflussen. Auf gut deutsch gesagt, hängt man sich ein grünes Mäntelchen um, um sich eine weiße Weste zu ergattern. Die Vorteile für diesen Deal liegen klar auf der Hand: Das Überzeugen von Konsumenten und möglichen Kritikern, Ausbau der Machtposition im Wettbewerb durch den Aufbau eines positiven Images in der Öffentlichkeit, Erhöhung der eigenen Attraktivität gegenüber potenziellen Geldgebern, Umsatz- und Absatzmarktsteigerung und so weiter und so fort.

Passend zum Klimagipfel in Kopenhagen übertreffen sich die Konzerne mit ihren ökologischen Werbebotschaften. Keines der teilnehmenden Unternehmen lässt die Gunst der Stunde ungenutzt, um sich und seine Geschäftsidee als besonders umwelt- und klimafreundlich darzustellen. Seit 1989 haben sich zum Beispiel die weltweit führenden Öl- und Automobilkonzerne in der Global Climate Coalition zusammengetan, um jeglichen Vorwurf seitens der Klimaretter von Anfang an zu entkräften. Seither begleiten sie jede Klimakonferenz und sind darauf erpicht nach Möglichkeit lediglich unverbindliche Zusagen zu machen.

Was hat man letztendlich vom 15. Klimagipfel zu erwarten, dessen Hauptsponsoren in der Automobilindustrie zu finden sind. BMW, Mercedes, Audi, Volvo und Honda sind allesamt an der Erfüllung der selbst gesetzten Ziele gescheitert, nämlich den CO2 Ausstoß für alle Neuwagen ab 2008 auf 140 Gramm/Kilometer zu reduzieren und trotzdem, oder sollte man lieber sagen gerade deswegen, organisieren sie das diesjährige Klimatreffen. Nun fahren sie mit ihren umweltfreundlichen Klima-Hightech-Limousinen auf dem Gipfel vor und verkaufen der breiten Masse eine schön gefärbte, grün schimmernde Realität. Doch die Wirklichkeit sieht ein bisschen glanzloser aus. So wurden beispielsweise BMW, Porsche und Daimler im Jahr 2007 der Negativpreis “Worst EU Lobbying Award” für ihren massiven Widerstand gegen den Klimaschutz verliehen.

Hier wurde 2008 massiv Lobbyarbeit gegen die von der EU geplanten CO2-Richtlinien gemacht, weil es die Unternehmen selbst nicht schaffen, diese Klimaziele einzuhalten. Und dann wird in Kopenhagen plötzlich so getan, als wäre man der größte Klimafreund [Nina Katzemich von LobbyControl]

Das Konzept der Autohersteller ist nicht ganz neu. Eine der bekanntesten Greenwashing-Kampagnen der letzte Jahre stammt vom britischen Mineralölkonzern bp. Die medienwirksame Kampagne zur Verschönerung des Umweltsündenimages umfasste die Installation von Solarstromanlagen auf einigen Tankstellendächern, denen eine grün-gelbe Blume als neues Logo zur Seite gestellt wurde. Nicht nur die Ölindustrie will mit einem grünen Anstrich über ihre schmutzigen Geschäfte hinwegtäuschen, sondern ebenso Energieriesen wie Vattenfall, E.ON oder RWE. Der Klimapartner der Vereinten Nationen Vattenfall wirbt einerseits mit seinen innovativen Windrädern und lässt gleichzeitig in Hamburg das größte Kohlekraft Europas entstehen. E.on glänzt mit seinem Werbespot über Gezeitenkraftwerken und verspricht die Investitionen in regenerative Energien bis 2010 auf 6 Milliarden Euro zu verdoppeln. Was der Konzern verschweigt, ist die Tatsache, dass im selben Zeitraum satte 60 Milliarden Euro in den Ausbau des Kerngeschäftes mit Strom und Gas fließen werden. Schließlich kommen wir zum Meister der Geschichtenerzähler RWE. RWE ist der größte Kohlendioxid-Erzeuger Europas, dennoch gibt er sich in seinen Werbespots gerne als grüner Energieriese, der mittels Wind- und Wasserkraft einen nutzbringenden Beitrag für den Umweltschutz leistet. Auch hier gilt die Devise: Lieber heile Welt als die Wahrheit. In Wirklichkeit werden nur zwei Prozent des von RWE hergestellten Stromes aus erneuerbaren Energien hergestellt.

Diese Aufzählung könnte beliebig fortgesetzt werden, ob man nun das aus Respekt gegenüber der Umwelt umgestaltete grüne Logo von McDonald’s hinzunimmt oder weglässt, dies alles ändert nichts an dem Imageschaden, den diese Pseudo-Umwel-Kampagnen der wahrhaften Umweltbewegung zufügen. Der Umweltschaden geht absolut auf das Konto der Menschen, doch scheinen einige den Sinn dieses Spruchs wiedereinmal missverstanden zu haben. Sie nutzen den Hang des Menschen zum Schönen schamlos aus, um sich unaufhörlich an der nur allzu menschlichen Natur des Mitgefühls und der Liebe zu bereichern.

Falls gewisse Leute merken sollten, dass man Geld nicht essen kann, dann ist es sicherlich für uns alle schon ein bisschen zu spät. [Markus Altmann]

Kommentare
von admin
Gepostet 27. Dezember 2009 at 18:49

Nachtrag

Das Greenpeace-Video ist selbstverständlich auch eine Greenwashing-Action. Natürlich von Greenpeace selbst. So kann man unliebsame Konkurrenten diffamieren und sein eigenes Energielabel in ein besseres Licht rücken. Das ändert aber nichts an der Botschaft.

Greenpeace ist in Sachen regenerativer Energie nicht gerade ein Spitzenmodell aber dennoch sehenswert. Der Kritikpunkt ist, dass Greenpeace seinen Hauptanteil an Energie aus der (klassischen) Wasserkraft bezieht und mit seinem grünen Konzept verhältnismäßig wenig in die (innovative) Solar- und Windenergie investiert.

Zu 100 Prozent aus regenerativen Energien. Im Jahr 2008 liefert Greenpeace Energy seinen Kunden zu hundert Prozent Strom aus erneuerbaren Energien: 74 % Wasserkraft, 6% Windenergie, 1% Biomasse und 19% Strom aus Anlagen, die nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) gefördert werden.[Greenpeace Energie]

Schreibe einen Kommentar